Ist das Projekt von The Ocean Cleanup sinnvoll, oder gibt es bessere Alternativen? Eine kritische Schrift.

Was The Ocean Cleanup ist erfahrt ihr in dem Artikel von Julian:

The Ocean Cleanup: Der schwimmende Müllsammler “Interceptor”
Ein “müllfressender Roboter” - wie ihn Mark Rober nennt - soll verhindern, dass große Mengen Plastikabfall in die Weltmeere gelangen. Wie das genau funktioniert und was MrBeast damit zu tun hat, erfährst du in diesem Post.

Idee

Die Idee hinter dem Projekt The Ocean Cleanup ist gut und Müll zu sammeln ist eine gute Sache. MrBeast ist ja bekannt für seine Videos, welche viele Klicks erzeugen. Das Geld welches er in diesen Videos generiert, oder durch Sponsoren eintreibt, verwendet er auch wieder in seinen kommenden Videos. Alles wird also immer größer, ambitionierter, höhere Geldsummen, mehr Klicks. Aber mal ehrlich: Wer sich ein paar Videos von MrBeast ansieht, weiß bescheid. Reality TV, so wie damals auf RTL. Was anderes ist das nicht. Lohnt es sich also für #TeamSeas zu spenden? Oder wäre dein Geld bei anderen Organisationen besser angelegt?

#TeamTrees

Nun gut - MrBeast kam damals ja schon auf die Idee, 20 Millionen Bäume zu pflanzen. Wieder hier die Initiatoren Mark Rober und MrBeast. Viele große YouTuber spielten mit und alle sammelten das Geld für die Pflanzung der Bäume. Die Summe von 20 Millionen US Dollar war so schnell erreicht.

Auch hier wieder: Eine sehr gute Idee, es spricht wirklich nichts dagegen, 20 Millionen Bäume zu pflanzen. Rettet man damit die Welt? Sollte man deswegen auf andere Maßnahmen verzichten, weil man jetzt Bäume gepflanzt hat? Dies sollte man in Perspektive rücken.

Eine Buche zum Beispiel bindet 1 Tonne CO2 bei einem Alter von ca. 80 Jahren. 20 Millionen Bäume binden also über die nächsten > 80 Jahre, > 80 Millionen Tonnen CO2. Manch andere Quellen berechnen die Bindung von CO2 ein bisschen anders und kommen auf 3,5 Tonnen pro Buche. Also gehen wir mal von optimistischen 4 Tonnen aus. 80 Millionen Tonnen CO2 würden also die Bäume von #TeamTrees in Kohlenstoff umwandeln und somit binden. Wie gesagt, vorausgesetzt alle Bäume überleben und so weiter... Die Erde wird wärmer, wurde die richtige Baumart gepflanzt, bekommen die Bäume genug Wasser? Wo wurde gepflanzt? Gar nicht so einfach, mal 20 Millionen Bäume einfach so zu pflanzen.

CO2 Emissionen in Deutschland in Millionen Tonnen.

Um also alle CO2 Equivalente nur aus Deutschland zu kompensieren müsste man 185 Millionen Bäume pflanzen. In einem Hektar Buchenwald befinden sich ca. 150 Buchen. 1,24 Millionen Hektar Waldfläche werden also benötigt. Dies sind ca. 1/7 der Fläche in Bayern, und wir haben hier sowieso schon viel Wald. Die Fläche muss also irgendwo herkommen. Und die Fläche braucht man jetzt nicht nur einmal, sondern jedes Jahr. Naja also das mit den Bäumen wird nichts. Das einzige was hilft, ist die Klimapolitik global voranzutreiben. CO2 muss eingespart werden, Kohle und Erdöl, welche den Kohlenstoff ja schon praktischerweise gebunden haben, in der Erde lassen.

Wir haben also gelernt, 150 Buchen wachsen in einem Hektar Buchenwald hier in Europa. Der Wald kann leider nicht über das ganze Jahr wachsen. Ihr wisst, Winter und so. Der Regenwald in Südamerika kann allerdings das ganze Jahr wachsen, deswegen wachsen dort Wälder auch 3x so schnell. In einem Regenwald ist auch viel mehr Biomasse vorhanden, als zum Beispiel in heimischen Buchenwäldern. Wäre es also nicht sinnvoller gewesen mit den 20 Millionen ein Reservat in Südamerika zu gründen? Welches vor Abholzung geschützt ist?

Für mehr Infos zum Klimawandel möchte ich das Blog Graslutscher empfehlen:

#TeamSeas und The Ocean Cleanup

Wir wissen ja jetzt, dass das schon mit #TeamTrees eher ein Tropfen auf den heißen Stein war und das Geld vielleicht an anderer Stelle besser angelegt gewesen wäre. Bringt halt nicht soviel Klicks, wenn man einfach einen Wald kauft und so vor Abholzung schützt.

Bringt The Ocean Cleanup etwas, und wäre die Reichweite der YouTuber vielleicht nicht woanders besser investiert? Ich gehe mal davon aus, ihr habt den Artikel von Julian gelesen oder das Video von MrBeast/Mark Rober gesehen.

Laut einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung befinden sich (Stand August 2020) alleine an der Wasseroberfläche der Ozeane etwa 399.000 Tonnen Plastik.[30][31]

Gehen wir mal von optimistischen 100 kg/m³ aus, welche in die Container des Interceptors passen. 50 m³ kann angeblich so ein Interceptor aufsammeln. Kurze Rechnung: Wir rechnen mal gaaaanz optimistisch. 4 Millionen Leerungen später, hätte man den Plastikmüll welcher sich an der Meeresoberfläche befindet eingesammelt. Der meiste Müll schwebt leider nicht an der Oberfläche, sondern treibt tiefer und sinkt zu Boden. Viel Müll kommt auch aus der Fischerei. Das obige ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, denn mit der Methode von The Ocean Cleanup lässt sich der meiste Müll gar nicht einsammeln, zum Beispiel der Plastikmüll, welcher schon zu klein für den Sammler ist.

Denn erstmal ist der Kunststoff im Meer nicht allzu gefährlich. Gefährlich sind die Weichmacher, welche den Kunststoffen beigesetzt werden und natürlich scharfkantige Kunststoffteile, welche von Lebewesen gegessen werden, wie auch die Seile und Netze aus der Hochseefischerei. In diesen verfangen sich viele Vögel, Robben und andere Meeresbewohner und verenden erbärmlich. Dann kommt noch das Mikroplastik hinzu - dieses sammelt sich in den Fischen an und gelangt so wieder in unsere Nahrungskette. (Quelle)

Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel zusammengefasst, die kleiner als fünf Millimeter sind und in der Umwelt zirkulieren. 30 Millionen Tonnen davon landen laut Umweltbundesamt pro Jahr weltweit in den Meeren - aus Europa kommen allein 3,4 bis 5,7 Millionen Tonnen. (Süddeutsche Zeitung "Wie gefährlich ist Mikroplastik" abgerufen am 14.11.21)

Dieses Mikroplastik entsteht natürlich auch durch zerreiben von vorhandenen Kunststoffen im Meer, das meiste sinkt jedoch erstmal zu Boden und ist dort weniger gefährlich. (Es gehört da gar nicht hin und das soll auch keine Entschuldigung sein, den ganzen Müll ins Meer zu kippen!)

Wäre es nicht sinnvoller auf Kunststoffnetze zu verzichten und wieder Netze aus Hanf oder Biokunststoff, welche sich besser in Wasser zersetzen, herzustellen? Es gibt viele Möglichkeiten, doch leider wird auch hier wieder eine Methode publik gemacht, welche logisch klingt, jedoch bei näherer Betrachtung viel Geld verschlingt, aber unsere Meere nicht rettet. Die Aufmerksamkeit wird von den eigentlichen Umweltsündern (Hochseefischerei, Getränkeindustrie, Autoreifen, Shampoohersteller) abgelenkt. Shampoohersteller, fragt ihr euch? Ja, in manchen Shampoos mit einem "Peeling" Effekt wird Mikroplastik eingesetzt, dieses landet dann über Umwege wieder in eurer Nahrungskette - wollt ihr das?

Okay, The Ocean Cleanup hat mehrere Methoden um den Müll aufzusammeln. Einmal sind da die "Interceptoren". Diese sollen an Flussmündungen sich aufhalten und dort den Müll aufsammeln. Auch nur Plastikmüll, welcher an der Oberfläche schwimmt.

„Wir müssen dringend überdenken, wie wir Plastik produzieren, konsumieren und entsorgen und wie wir nachhaltige Alternativen vorantreiben können“ Quelle

Wäre es nicht besser, sich um die Einführung eines Pfandsystems zu kümmern, damit Plastikmüll nicht mehr in den Flüssen landet? Strafen auf "Littering", also das Wegwerfen von Müll. In Sansibar, Tansania gab oder gibt es zum Beispiel ein Verbot von Plastiktüten. Das wurde durchgesetzt. Plastiktüten sind in manchen Bereichen schon sinnvoll, aber hier wurden Plastiktüten verboten. Ich denke vor allem wegen den Touristen, denn wer kommt noch nach Sansibar, wenn er vermüllte Strände vorfindet.

Es ist natürlich immer besser, erstmal etwas zu tun, statt nichts zu tun. Besser gibt es diese schwimmende Anlage, als wenn es sie nicht gibt. Besser wäre aber natürlich auch noch andere Maßnahmen durchzusetzen und zu bewerben.

Perfect is the enemy of good (Unknown)

Wer finanzierte bisher The Ocean Cleanup?

The Ocean Cleanup finanzierte sich aus Spenden. Diese setzten sich zusammen aus Crowdfunding (~2M US$ 2014), wie auch privaten Spenden. Bis zum Jahr 2019 wurden 30 Millionen Euro an Spenden gesammelt. Wie viel Müll wurde denn jetzt bisher gesammelt?

"Removed over 1 million pounds of trash from the environment (up till March 2021)" (Webseite The Ocean Cleanup)

Das sind 453 Tonnen Plastikmüll. Ich meine 1 Millionen Pfund hört sich gut an oder? 66.225 EUR pro Tonne. Hey, das mach ich auch, da geh ich persönlich an den Strand und sammle den Müll ein, wenn mir jemand das Geld gibt.

Partnerschaft mit Coca-Cola

Und jetzt kommt das Beste, ratet mal wer jetzt eine Partnerschaft mit The Ocean Cleanup eingegangen ist? Da kommt ihr nie drauf! COCA-COLA! Genau, der Konzern, welcher als größter Plastikmüllverschmutzer der Welt gilt! Quelle: Klick

63% des gefundenen Plastikmülls an Stränden und Flussmündungen kommt aus dem Hause "The Coca Cola Company". Quelle: Klick

Quelle: Screenshot Youtube - Partnerschaft von The Ocean Cleanup mit Coca Cola Company.

Der Verbraucher soll es also wieder richten, den Schaden an der Umwelt zu zahlen, damit zum Beispiel ein Konzern wie Coca-Cola weiterhin Milliarden Gewinne erwirtschaften kann. (Quelle)

The Ocean Cleanup ist die Partnerschaft mit Coca Cola anscheinend so peinlich, dass die Partnerschaft nicht auf der Homepage veröffentlicht wird. https://theoceancleanup.com/partners/

#TeamSeas

Nun, TeamTrees und TeamSeas sind ja die Projekte von den bekannten YouTubern Mark Rober und MrBeast.

Genau wie bei #TeamTrees werden hier nur Symptome bekämpft. Es werden Bäume gepflanzt, anstatt Treibhausgase zu reduzieren. Müll eingesammelt, statt Müllvermeidung.

Wäre es nicht sinnvoller, Konzerne dazu zu verpflichten ein Pfandsystem einzuführen - auch in Entwicklungsländern? Wie viele dieser Plastikflaschen stammen von Coca-Cola? Ist das deutsche Pfandsystem auch auf andere Länder übertragbar?

Wer mehr wissen möchte: "Plastik in Ozeanen: Schwimmende Müllschlucker sind nicht die Lösung"

We need to remove 30,000,000 lbs by the end of the year!! - Mark Rober YouTube

Übersetzt auf Deutsch:

Wir müssen bis zum Ende dieses Jahres 13.608 Tonnen Plastiküll einsammeln. - Mark Rober YouTube

Allerdings:

Es wird prognostiziert, dass China im Jahr 2025 rund 18 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr nicht umweltgerecht entsorgt. (Statisa.com)

Um einfach mal die wenigen 13.000 Tonnen Plastikmüll, welche #TeamSeas bis Ende dieses Jahres sammeln will, in Perspektive zu rücken.

Screenshot Reddit: Klick - Spoiler: 20 Millionen Bäume retten uns leider nicht. :(

Fazit

Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, den Plastikmüll zu entfernen. Genauso finde ich sehr gut Bäume zu pflanzen. Dagegen spricht gar nichts. Sich jedoch ein grünes Image anheften zu wollen, nur weil man doch mal 20 Millionen Bäume gepflanzt hat, eher nicht. Heißt nicht, dass nicht eine Person 100% moralisch gut handeln muss, um etwas Gutes zu tun.

Außerdem lachen sich doch die großen Konzerne wie Coca-Cola ins Fäustchen, denn solche Kampagnen lenken von den eigentlichen Verursachern der Probleme ab.

Wer also The Ocean Cleanup Geld spenden möchte, kann dies tun. Wer bisher Geld gespendet hatte, weiß sein Geld gut angelegt, denn mit einer Spende von 66 EUR wurden bisher 1kg Plastikmüll aus den Ozeanen entfernt.

Indem sie den Eindruck erwecken, dass sie eine effektive Lösung für das Problem des Kunststoffs in unseren Ozeanen darstellen, können diese Technologien eine Rechtfertigung für eine weitere Verschmutzung der Umwelt liefern“,  fürchtet Merico. (Quelle: Klick)

Trotzdem muss ich sagen ist wohl #TeamTrees und #TeamSeas die sinnvollste Aktion bisher von MrBeast. Mehr davon gerne, ich hätte mir nur gewünscht es wäre in dem Video von MrBeast noch mehr auf die Ursache des Mülls eingegangen worden, wie auch Methoden zur Müllvermeidung.

Spenden

Die bessere Alternative zu OceanCleanup finde ich übrigens Ocean Conservancy. Geht man direkt auf die Webseite des Ocean Conservancy, lässt sich dort direkt spenden ohne den Umweg über Youtube. Spendet man über Youtube, wird die Spende zu 50% an Ocean Conservancy ausgeschüttet und zu 50% an The Ocean Cleanup.

Ocean Conservancy
We use the best in science-based solutions to tackle the biggest threats to our ocean. Join the Fight for a Healthy Ocean.

Quellen:

Gute Youtube Video Empfehlungen:

"Which is why saving our seas has to encompass a lot more than ocean clean ups. Because clean-ups are just a band-aid solution. Even if we take every piece of trash out of our waterways right now, the equivalent of a garbage truck full of plastic still continues to flow into our oceans, every single minute." - Our Climate Change Video auf Youtube